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Wie sieht es aktuell auf dem Ölmarkt aus?

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Tagesausblick für Donnerstag den 13.06.2019

 

Die US Ölbestandsdaten des DOE hatten gestern gemischte Impulse an den Handel abgegeben. Letztlich war allerdings entscheidend, dass die Rohölvorräte erneut zulegten und auch die Gesamtbestände um knapp 9,3 Mio. Barrel anstiegen. Über die vergangenen 12 Wochen kletterten die US Bestände damit um ganze 91 Mio. Barrel, und das zu einer Zeit, in der die Marktlage mit Kürzungen der OPEC+ Gruppe und Sanktionen gegen Venezuela und Iran eigentlich knapp sein sollte. Der Anstieg der Vorräte ist nicht nur aus dieser Perspektive überraschend stark, er entspricht auch nicht der üblichen saisonalen Entwicklung, denn zu dieser Jahreszeit nehmen die Bestände für gewöhnlich ab.

Die Versorgungslage in den USA, dem Land mit dem größten Ölverbrauch und der größten Ölförderung, ist also relativ komfortabel und sollte sich auch in der zweiten Jahreshälfte weiter verbessern. Analysten gehen davon aus, dass die US Ölproduktion in dieser Zeit deutlich stärker als die Nachfrage wächst, sodass das überschüssige Öl am Weltmarkt angeboten werden kann und das Angebot auch dort verbessert.

Die Nachfrage ist in den letzten Tagen und Wochen ohnehin in den Fokus gerückt, da der Handelsstreit zwischen USA und China kein Ende zu nehmen scheint. Trump erklärte gestern zwar erneut, dass er mit einer baldigen Einigung rechne, da China sonst noch weitere Sanktionen in Kauf nehmen müsse, doch von einem bevorstehenden Deal spricht man schon seit vielen Monaten. Das globale Wirtschaftswachstum schwächt sich ohnehin ab, was durch den Zwist zwischen den beiden größten Volkswirtschaften noch weiter verschärft wird.

Entsprechend wird die Nachfrageentwicklung bei Öl schwächer als bisher eingestuft. Die Prognosen für die Ölnachfrage 2019 seien bisher unrealistisch, so Analyst Mark Maclean von Commodities Trading Corporation. Die Nachfrage in China habe sich schneller als erwartet abgeschwächt, während der Handelsstreit einen signifikanten Einfluss habe. Die EU werde bei der Nachfrage sicherlich ebenfalls nicht positiv auffallen und die USA sei ebenso problematisch, so Macleans Fazit.

Die IEA hatte das globale Ölnachfragewachstum beim letzten Monatsreport noch mit +1,3 Mio. B/T angegeben, könnte dies beim nächsten Report (diese Woche Freitag) aber eventuell korrigieren. Bei Morgan Stanley schätzt man das Nachfragewachstum aktuell auf etwa +1,0 Mio. B/T und bei JP Morgan Chase auf +0,8 Mio. B/T. Dies wäre das schwächste Wachstum seit 2011. Die EIA hatte das Ölnachfragewachstum 2019 in ihrem Monatsbericht vom späten Dienstagabend auf +1,22 Mio. B/T geschätzt. Der Welthandel sei ziemlich ausgebremst worden und es sei nicht zu erwarten, dass er wieder zunimmt, was negativ für die Ölnachfrage sei, fasst Caroline Bain, von Capital Economics, die aktuelle Konstellation zusammen.

Dennoch bleibt Brent weiter in einer Backwardation Konstellation, auch wenn sich diese mit 2,02 Dollar im 6-Monats Spread erheblich abgeschwächt hat. Vor allem auf kurze Sicht bleibt die Marktlage global wohl weiter angespannt, während sich laut EIA im Oktober und November wieder eine deutliche Überversorgung durchsetzen sollte. Eine Gefahr für die Balance am Markt bleibt unterdessen Libyen. Hier kämpfen zwei konkurrierende Gruppen um die Macht, wobei es bisher keine größeren Ausfälle gegeben hat. Wintershall Dea warnt allerdings, dass es jeden Tag aufs neue eine großer Anstrengungen bedarf, damit man die Produktion aufrecht erhalten könne. Sollte die Lage dort eskalieren, steht eine Produktion von etwa 1,2 Mio. B/T auf der Kippe, die die Balance am Markt, selbst bei noch so schwachem Nachfragewachstum, nachhaltig verändern könnte.

Heute Morgen ziehen die Preise an den Ölbörsen leicht an und kommen von den gestrigen Tagestiefs zurück. Gasoil bleibt allerdings noch immer etwas unterhalb der gestrigen Nachmittagswerte, sodass sich bei den Inlandspreisen für heute Morgen zumindest noch leichte Abwärtsspielräume andeuten.