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Begrenzte Lagerkapazitäten: WTI fällt auf 21-Jahrestief

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* Markt-News für Montag den 20. April 2020 *

 

Saudische Tanker-Armada nimmt Kurs auf US Golfküste
Bereits im März hatte Saudi-Arabien eine Rekordmenge an Rohöl in die USA verschifft, für April und Mai deuten sich allerdings noch einmal größere Mengen an. Eine regelrechte Armada an Schiffen, voll mit Rohöl, soll sich langsam auf den Weg in die USA machen. Aus den Daten von Vortexa und Kpler geht hervor, dass 20 Öltanker, beladen mit jeweils rund 2 Mio. Barrel Rohöl, Kurs auf Häfen in Louisiana und Texas genommen haben. Experten rechnen damit, dass die US Importe aus Saudi-Arabien rund sieben Mal so groß sein könnten, wie in einem gewöhnlichen Monat im letzten Jahr.

Diese Schiffe werden bis Ende Mai ihre Ziele erreichen und die US Importe aus Saudi-Arabien bis dahin hoch halten. Die Lager in den USA nehmen Woche für Woche in rekordverdächtiger Geschwindigkeit zu, und die zusätzlichen Mengen der Saudis werden die Lage vermutlich noch verschlimmern. „Das ist das Pearl Harbor der amerikanischen Energieproduzenten. Wir wissen die Schiffe werden kommen, und dennoch macht keiner etwas dagegen. Jedes Barrel das sie auf diesen Schiffen bringen, wird ein Barrel Rohöl, das hier im Permian Becken produziert wird, verdrängen,“ beschreibt Kirk Edwards, vom US Ölförderer Latigo Petroleum die Lage.

Die auf dem Weg befindlichen Öltanker wurden bereits im März und Anfang April beladen. Einige Marktteilnehmer und US Politiker fordern eine Intervention. So könnte man mit Zöllen, einer Importquote oder einem Embargo die Lieferungen noch stoppen oder umleiten. Trump hatte allerdings im Deal der OPEC+ Gruppe vermittelt und eine Intervention gegen Saudi-Arabien könnte die Spannungen eventuell wieder verschärfen.

Der drastische Anstieg der Importe könnte das Resultat der massiven saudischen Preiskürzungen im März sein, als man die Preise für Lieferungen in die USA über alle Sorten hinweg um 7 Dollar gesenkt hatte. Dies war eventuell etwas zu drastisch, was man nun an den enormen Exporten in diese Richtung sieht. Darauf deutet auch die Reaktion der Saudi Aramco bei der Festsetzung der Preise für US Abnehmer letzte Woche hin, bei der man eine deutlichen Preissteigerung für die USA vornahm.

Lagerbestände werden knapp
Das Problem in den USA sind die begrenzten Lagerbestände, insbesondere in Cushing, Oklahoma. Noch ist zwar reichlich Platz vorhanden und in den Jahren 2016/17 wahren die US Rohölbestände schon einmal deutlich höher, doch es ist die Geschwindigkeit in der sich die Lagerkapazitäten füllen, die den Marktteilnehmern Sorgen bereitet.

Geht es in diesem Tempo weiter sind die Höchststände in Cushing, Oklahoma, von knapp 70 Mio. B/T, in etwa 3 Wochen erreicht. In 2017 lagen die maximalen Lagerkapazitäten in dem Zentrallager bei etwa 77 Mio. B/T, sodass dieses Niveau kurze Zeit später ebenfalls erreicht werden kann. Gibt es kein Lagerplatz mehr, findet sich auch kein Käufer mehr für das Rohöl, weshalb die Produzenten sich mit ihren Preisen am Spotmarkt immer weiter unterbieten müssen. Dies erzeugt den Preisdruck beim WTI Frontmonat, wobei Rohöl am Spotmarkt noch einmal günstiger ist.

Am Freitag wurden einige US Rohöl Sorten bei nur noch 2 Dollar gehandelt. Negative Preise sind daher nicht mehr ausgeschlossen. Es wäre ein Novum für die Ölpreise in Texas, am Gasmarkt hatte man dies aber durchaus schon erlebt. Dann müssen Ölproduzenten ihren Abnehmern Geld bezahlen, damit diese ihnen das Rohöl abnehmen.

Marktlage
Die US Rohölsorte WTI ist mit Preisen von unter 15 Dollar heute Morgen auf den niedrigsten Stand seit über 20 Jahren gefallen. Dabei ist aber anzumerken, dass der Folgemonat (Juni) mit 23,67 Dollar deutlich über diesem Niveau handelt.

Wer jetzt Rohöl kauft wird Probleme haben es zu verarbeiten, da die Raffinerien ihre Auslastung erheblich gedrosselt haben. Und wer das Öl nicht verarbeiten kann, der muss es einlagern. Da die Lagermöglichkeiten allerdings zusehends schwinden, findet sich derzeit kaum ein Käufer für WTI, eine Rohölsorte, deren physischer Erfüllungsort in Cushing, Oklahoma, liegt.

In den USA soll es noch etwa 150 Mio. Barrel an Lagerkapazitäten geben. Aber bei dem Tempo in dem sich die Bestände füllen, reicht das nicht ewig. Der globale Nachfrageausfall von 25 bis 30 Mio. B/T, den die Experten für April sehen, ist einfach zu viel, als dass es durch die Kürzungen der OPEC+ ausbalanciert werden kann. Und in den USA kann es mit umfangreichen Rohöllieferungen aus Saudi-Arabien in den kommenden Wochen noch einmal schlimmer werden, bevor es sich später im Jahr eventuell wieder bessert. Selbst negative Preise für Rohöl halten Experten nicht mehr für ausgeschlossen.

Analyst Andrew Tilton, von Goldman Sachs, geht davon aus, dass es kurzfristig wegen der begrenzten Lagermöglichkeiten noch Abwärtsrisiken gibt. Er erwartet in den nächsten paar Monaten noch „sehr, sehr niedrige Preise“. Dies werde die Produktion der Ölunternehmen allerdings reduzieren und so den Markt letztlich ausbalancieren. Es besteht daher sogar die Möglichkeit, dass man die Preiserwartungen für 2021 wieder nach oben korrigieren muss, so Tilton.

Der Preiseinbruch im Frontmonat WTI kann die übrigen Futures durchaus etwas nach unten ziehen. Was sich gerade bei der US Rohölsorte abspielt könnte in naher Zukunft auch an der ICE bei Brent und Gasoil entstehen. Kurz vor dem Monatswechsel wird sich wohl kaum einer finden, der bereit ist Long-Positionen zu halten, sodass Käufe rar gesät sein werden. So lange die Nachfrage nicht deutlich anspringt, überwiegen dann die Verkäufe, sodass Preisdruck entsteht. An den Börsen spricht man dabei man von einem Long-Squeeze: Trader mit Long-Positionen sind gezwungen zu immer weiter sinkenden Preisen zu verkaufen, da man eine physische Abnahme mangels Lagermöglichkeiten nicht oder nur mit enormen Kosten erfüllen kann.

Auf Grund dieser Entwicklung dürften Marktteilnehmer in dieser Woche mit Spannung auf die US Ölbestandsentwicklung blicken. Dabei werden wieder einmal große Aufbauten zu erwarten sein. Analysten werden vermutlich versuchen zu prognostizieren, wann die Bestände endgültig ausgelastet sind und der Markt damit zusammenbrechen könnte. Heute Morgen orientieren sich die Preise an der ICE weiter nach unten und notieren unterhalb der Freitagsniveaus. Bei den Inlandspreisen deuten sich dennoch keine großen Preisnachlässe an, da die Barges zu letzter Woche gestiegen sind.

 

Fundamental neutral bis bearish
Einbruch bei der Anzahl von US Ölbohranlagen. USA: Große Mengen saudischen Rohöls bis Ende April erwartet. Lagerbestände in Cushing werden knapp. Saudi-Arabien und Russland wären „für weitere Maßnahmen bereit“. OPEC-Monatsbericht bearish. Trump will US-Wirtschaft in 3 Phasen hochfahren. Chinesische Raffinerieauslastung sinkt im März. EIA, IEA-Monatsberichte bearish. Übergriff auf Öltanker in der Straße von Hormus. Saudi-Aramco senkt erneut Preise für Mittelmeer und Asien. IWF schätzt globales Wirtschaftswachstum 2020 auf -3%. Analysten bezeichnen Kürzungen als unzureichend. OPEC+ nimmt Rekordmenge vom Markt. US-Schieferölproduktion sinkt deutlich. Indien will strategische Reserven auffüllen. IEA: OPEC+ kann Markt nicht kontrollieren. USA wollen Lagerkapazitäten der strategischen Reserven vermieten. US-Schieferölproduzenten bitten um Produktionskürzung von 20%.

Chartanalyse neutral bis bearish
Bei WTI laufen die GD 7 und 21 Linien weiter auseinander und sind damit weiter bearish. Unterhalb der GD 7 Linie hat sich zudem ein Abwärtstrend gebildet. Die Linien haben bei Brent nun ebenfalls gekreuzt und besitzen damit einen bearishen Einfluss. Beim Stochastik sind die Linien zwar ebenfalls gekreuzt, allerdings noch nicht deutlich genug, um ein bullishes Signal zu generieren. Die Notierungen haben an ICE und NYMEX die Freitagstiefs bereits unterschritten und deuten damit weitere Abwärtsspielräume an. Aus rein charttechnischer Sicht überwiegt die bearishe Wirkung von GD 7 und 21 in Verbindung mit den neuen Tiefs zu Freitag, die bei WTI sogar zu neuen Langzeittiefs geführt haben. Aus charttechnischer Sicht sind Tests nach unten damit Wahrscheinlicher als eine Entlastungsrallye. Sollten Short-Coverings allerdings folgen, kann die Aufwärtsbewegung drastisch ausfallen, denn der Stochastik besitzt sowohl bei WTI als auch bei Brent das Potenzial für ein bullishes Signal.

Preisbestimmende Faktoren für den heutigen Tag: 

 

Einbruch bei der Anzahl von US Ölbohranlagen
Saudi-Arabien und Russland wären „für weitere Maßnahmen bereit“
Trump will US-Wirtschaft in 3 Phasen hochfahren
Übergriff auf Öltanker in der Straße von Hormus
OPEC+ nimmt Rekordmenge vom Markt
US Schieferölproduktion sinkt deutlich
US Schieferölproduzenten bitten um Produktionskürzung von 20%
– USA: Große Mengen saudischen Rohöls bis Ende April erwartet
– Lagerbestände in Cushing werden knapp
– Monatsberichte von EIA, IEA und OPEC bearish
– Saudi-Aramco senkt erneut Preise für Mittelmeer und Asien
– IWF schätzt globales Wirtschaftswachstum 2020 auf -3%
– Analysten bezeichnen Kürzungen als unzureichend
– Trump: freier Markt wird Produktion automatisch regulieren
– IEA: OPEC+ kann Markt nicht kontrollieren

 

Die Heizperiode neigt sich dem Ende zu und der Frühling ist da. Ihr Heizöl Vorrat könnte niedriger sein als Sie erwarten. Das Wetter für die Region Südpfalz ist für heute sonnig bei 20° Grad Höchsttemperatur gemeldet. Gehen Sie doch mal in Ihren Keller und prüfen Sie gleich Ihren Heizöl Vorrat. Bei Bedarf würden wir uns über Ihre Anfrage freuen.

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